Jürg Schmid, der als Zahnarzt arbeitet, hat seit vielen Jahren den Schmetterling-Beobachtungs- und Erforschungs-Virus. Das Bild steht für viele verschiedene Lebensräume. Die Förderung des Lebensraums ist das Lebenselixier für Vögel und Schmetterlinge.

Was ist ein Schmetterling?

Wir wissen natürlich, dass er zu den Insekten gehört. Die Schmetterlinge bilden unter den Insektenarten die grösste Gruppe neben den Käfern.

Schmetterlinge haben schuppige Flügel, darum wurden sie schon 1775 Lepidoptera = Schuppenflügel, genannt. Angeordnet sind sie wie Dachziegel. Eigentlich sind sie die Haare, mosaikartig angeordnet und in den Farben einzigartige Muster bildend. Die kunstvollen Anordnungen können wir in prachtvollen Bildern bewundern. Der ganze Vortrag baut auf solchen herrlichen Bildern auf, so dass man nicht aus dem Staunen kommt über die Wunder der Natur und über das Können des Fotografen.

Schmetterlinge brauchen geeignete Pflanzen für die Eiablage, bei einigen ist nur gerade eine Pflanze brauchbar.

Raupen häuten sich wie Schlangen. Um sich zu verpuppen wickeln sie sich einen seidigen Faden um den Körper und hängen dann verpuppt 2 Wochen an dem Faden. Der Schmetterlingsflügel besteht aus Chitin, das weich und biegsam ist, sonst hätte der Schmetterling in dieser engen Puppenhaut gar keinen Platz. An der Luft trocknet das Chitin, so dass der Schmetterling fliegen kann.

Jeder Schmetterling hat sein Ei in Musterung und Form, zum Teil schönste Ostereier, nur so klein und unter Blättern versteckt, dass wir sie gar nicht wahrnehmen. Jede Art hat auch eine spezielle Raupe. Jede Raupe hat eine eindrückliche Art, sich vor Fressfeinden zu schützen, entweder durch gefährliches Aussehen oder Tarnung oder Nachahmung eines gefährlichen Tieres.

Schmetterlinge werden in Tagfalter, Nachtgrossfalter und Kleinschmetterlinge eingeteilt. Gesamthaft leben in der Schweiz ca. 3800 Arten. Mehr als die Hälfte davon sind Kleinschmetterlinge, nämlich 48 Familien. Es gibt dabei auch Schädlinge. Aber nicht so viele, dass man grad an Motten denken muss, wenn man so einen Kleinen sieht.

Jürg Schmid zeigt uns ein Lieblingsbild von Roveredo aus. Der höchste Punkt, den man sieht ist auf 4634 müM (Dufourspitze) und der tiefste auf 193 (Lago Maggiore). Die Durchschnittstemperaturen liegen bei 11,5° C und minus 12. Das Bild ist so besonders, weil man auf einen Blick alle Höhenstufen der Alpen sieht und somit auch alle Lebensräume der Kleinschmetterlinge in den Alpen (sowie natürlich auch der übrigen Fauna und Flora).

 

Kleinschmetterlinge der Alpen findet man oft über die Spuren, welche ihre Raupen hinterlassen:

  • Es gibt Raupen, die den Rückgang des Chlorophylls im Blatt unterbrechen, um an ihre Nahrung zu kommen. Man sieht das an Herbstblättern, die noch einen grünen Anteil haben. Blattinfarkt nennt man diesen Vorgang.
  • Eine andere Raupe macht sich an die Blätter der Preiselbeere, was man auch da an den Verfärbungen sieht.
  • Am Berg-Laserkraut in Ardez entdeckte und beschrieb der Referent eine Art, die man nach dem Fundort Aethes ardezana nannte.Die Jungraupe überwintert im Stängelmark.
  • Der Lärchenwickler bevorzugt Lärchen, deren Nadeln kurzfristig wie vertrocknet aussehen. Es führt aber nicht zum Absterben. Die Lärche wehrt sich mit Harz gegen die Raupe.
  • In Föhrentrieben haust der Föhrenknospenwickler
  • In der Rheinschlucht fand man eine sehr seltene Raupe, die Athetis gluteosa, die erst im Wallis und im Jura entdeckt worden war.
  • Eine Raupe entwickelt sich überwiegend im Wasser mit einer Art Tauchanzug.
  • Eine Raupe baut sich einen Blattausschnitte-Sack, in dem sie sich zum nächsten Blatt fortbewegt. Also achte man auch auf ausgeschnittene Blattteile.
  • Manche Nachtfalter besitzen grosse gegabelte Fühler, mit denen sie sich orientieren können.

Das sind nur ein paar der Besonderheiten, die Jürg Schmid uns vorstellte.  

Geographische Verbreitung:

Die Verbreitungsmuster haben mit der Eiszeit zu tun. Beim Schmelzen der Gletscher wanderten sie aus Norden oder Süden ein.

In allen Höhenlagen (collin, montan, subalpin, alpin, subnival, nival) kann man Kleinschmetterlinge finden.

Beispiele:

  • in Pelzanemonen (Anemonen-Kleinschmetterling), in Enzian (Enzian Alpen-Blattspanner), in der Margrite gibt es 3 verschiedene Schmetterlinge, die nur da vorkommen.
  • Es gibt Schmetterlinge, die auf 2000 müM bleiben können.
  • Auf 2600 lebt eine grosse Vielfalt von Kleinschmetterlingen. Auch höher findet man immer noch viele Raupen und Puppen.
  • Wo es fast nur noch Steine und Polsterpflanzen hat, ist die Temperatur auf den Steinen bei Sonnenschein sehr hoch und unter den Steinen konstant.
  • Vor Schnee schützen sich die Schmetterlinge in grossen Höhenlagen in Polsterpflanzen.
  • Schmetterlinge, die auf 3400 müM (immerhin noch 5 verschiedene Raupen gefunden) gesichtet wurden, können nicht mehr fliegen. Sie würden vom Wind weggetragen werden. Sie leben nur 2 Wochen.

Es ist noch viel mehr, was der Referent der versammelten Schar beschrieben hat. Es würde aber zu weit führen, alles nachzuerzählen. Nein, ehrlich gesagt, habe ich es gar nicht geschafft, in dem Tempo, in dem er erzählte, zu schreiben. Wer sich weiter vertiefen möchte, dem sei sein Buch, "Kleinschmetterlinge der Alpen", erschienen im Haupt Verlag, wärmstens empfohlen.

Herzlichen Dank, Jürg Schmid, für die äusserst spannende Stunde, die wir mit Ihnen verbringen durften und die exquisiten Bilder, die Sie uns präsentierten. Ich werde fortan mehr auf Farbveränderungen bei Blättern, auf dürre Nadeln oder ausgeschnittene Blätter achten und manchmal einen Blick auf die Unterseite werfen. Ich freue mich schon auf die Entdeckungen, die ich machen werde.

Rita Tanner