Bis 10 Uhr stecken wir oben auf dem Grat und unten auf der Alp Lüsch im Nebel. Es ist still und voll von geheimnisvollen Schönheiten und wechselnden Stimmungen. An allen Gräsern hängen feinste Tröpfchen, der Nebel gaukelt Sicherheit vor. Ein paar Schritte entfernt, erkennt man den andern nur noch als Schema und bald ist er ganz verschwunden. Und plötzlich sieht man die Bergspitzen gegenüber, der Nebel senkt sich und erhebt sich wieder, die Sonne setzt sich mehr und mehr durch, bis sich unter uns das Nebelmeer ausbreitet und über uns tiefblauer Himmel. Wir sind begeistert. Es kommen mehr Beobachter den Berg herauf und auch die Vögel nutzen die Sicht und natürlich die Thermik, um ihren Zug nach Süden fortzusetzen. Wir haben alle Hände voll zu tun, alles zu beobachten, zählen, beratschlagen und nichts zu verpassen. Es herrscht eine gelöste Stimmung, man erörtert mancherlei Themen und vergisst beinahe das Essen. Die Wanderer, die zahlreich über den Glasergrat wandern, interessieren sich sehr und wollen auch gern einen Blick durchs Fernrohr werfen – die beste Werbung!

Die Beobachtungen von der Alp und vom Grat aus sind ähnlich. Auf der Safier Seite gleitet ein Baumfalke nahe vorbei, die übrigen Vögel fliegen der Nolla entlang oder dem Berg nach von der Alp Lüsch her ins Safiental, um dort ihre Route fortzusetzen. Es sind dies mindestens 34 Rotmilane, 12 Wespenbussarde, etliche Sperber und Mäusebussarde, eine Gruppe von sicher 50 Rauchschwalben, wenige Mehlschwalben, Ringeltauben, Steinschmätzer und Hänflinge. Carla sieht sogar hoch oben einen Schwarzstorch, was sie mit einem Foto beweisen kann. Nicht weniger spektakulär ist eine Gruppe von 30 Eichelhähern, die auf der Lüsch-Seite vorbeifliegen. Wir freuen uns auch sehr an den nahen Beobachtungen von Tannenmeisen, 2 Birkhähnen, Hausrotschwänzen, einer Ringdrossel, den Wacholderdrosseln, Tannenhähern, Turmfalken, Bergpiepern und Bachstelzen. Der Höhepunkt jedoch sind die beiden Adler, die uns zweimal beehren und uns ihre Flugkünste demonstrieren. Vielleicht wollte das Männchen auch einfach dem Weibchen Eindruck machen!

Sehr zufrieden nehmen die Beobachtenden herzlich voneinander Abschied und machen sich bereichert auf den Abstieg. Danke allen, die beim Beobachten, Zählen und Einordnen mitgeholfen haben.

In der Fotogalerie befinden sich einige Fotos von Teilnehmenden.