Es geht ihm um die relative Veränderung.

Gartenrotschwanz: Dieser hat seit 1993 eher abgenommen, vor allem im Mittelland, in den südlichen Alpen eher zugenommen.Das gilt auch für die Bündner Herrschaft.

Wendehals: Er fliegt nicht so weit nach Süden, wie man bisher dachte. Seine Präsenz hat stark abgenommen. Die Anteile in der Bündner Herrschaft sind stabil.

Zaunammer: Keine Art ist so stark an die Weinberge gebunden. Das kann man gut auf der Verteilung des Brutvogelatlasses erkennen. In der Bündner Herrschaft ist eine leichte Zunahme zu verzeichnen.

Die drei Arten besiedeln mehr oder weniger die selben Lebensräume in der Bündner Herrschaft.

 

Neuntöter: Vogel des Jahres 2020. Die Tendenz ist eindeutig negativ. Man würde auch eine Abnahme in der Herrschaft erwarten. Aber nein, die Reviere zeigen eine leichte Zunahme.

Schwarzkehlchen: Dieses nimmt wahrscheinlich auch klimatisch bedingt zu. In Spanien kann man eine Abnahme feststellen. Am Rheindamm brüten weniger Schwarzkehlchen. In der Bündner Herrschaft hatte es 2019 5 Reviere.

Wiedehopf: Beim Wiedehopf kann kein klarer Trend ausgemacht werden. Es gibt zu wenig Daten. Eventuell kann er vom Klimawandel profitieren. Er ist aber auf Insekten angewiesen. Das kann ihm zum Fallstrick werden. 2019 sind in der Bündner Herrschaft 6 Reviere festgestellt worden. Der Wiedehopf sucht seine Nahrung auf dem Boden und braucht deshalb offene Bodenstellen.

 

Was ist wichtig?

Es gibt kein anderes Gebiet (ausser ev. im Wallis), wo diese Arten alle auf kleinem Raum beobachtet werden können.

Verschiedene Strukturen wie Steinhaufen, Buschgruppen, Naturwege, Steinmauern, Lücken, Gebäude, Pfosten, Holzbeigen, verschiedene Bewirtschaftung zu unterschiedlichen Zeiten nützen der Artenvielfalt. Strukturreichtum fördert Biodiversität und nützt so auch den Insekten, die besorgniserregend auf dem Rückgang sind. Die Natur braucht eine gewisse Unordnung. So ist die Voraussetzung für verschiedene Bedürfnisse gegeben: Jagdwarten, Schutz, Nahrungssuche, Insektenförderung
Es ist wichtig, nicht alles aufs Mal zu mähen. So haben die Vögel (und andere Tiere) Ausweichmöglichkeiten. Nützlich (und schön) sind blütenreiche Wiesen mit offenen Böden.

Einzelbäume sollen unbedingt stehen gelassen werden. Bei andauerndem Regen gibt es in den Bäumen noch Insekten.

In Zukunft sollen die Kartierungen wiederholt (wieder drei Jahre in Folge) und Schutz- und Fördermassnahmen, wie das Förderungsprojekt in der Bündner Herrschaft unterstützt werden.

Das Nisthilfeprojekt lohnt sich auf jeden Fall, wenn man die Resultate sieht.

  • Was macht die Lebensräume für die Vögel interessant?
  • Was sind die Ursachen, dass es einer Vogelart besser geht als der anderen?

    Das herauszufinden ist die Aufgabe für die Zukunft.

 

Zuhörerfragen und -ergänzungen:

  • Weinbauern treffen bewusst Massnahmen wie keine Herbizide anwenden und alternierendes Mähen.

 

  • Was macht die öffentliche Hand für die Lebensräume? Naturschutz ist eher Kantonssache. Das ANU hat offene Ohren. Gemeinden greifen nicht aktiv Anliegen des Naturschutzes auf, sind aber gesprächsbereit. Es ist wichtig, die Anliegen immer wieder einzubringen. Lokale Organisationen müssen den Anlauf nehmen, mit den Gemeinden zu kommunizieren und für die Konsequenzen sensibilisieren.

 

  • Zizers ist auch erwähnenswert in Bezug auf Vorkommen.

 

  • Gibt es Studien zum Jungvogelverlust durch streunende Katzen? Die Zahlen sind relativ hoch. In vielen Siedlungsgebieten gibt es eine hohe Dichte an Katzen, die nachweislich grosse Schäden anrichten auch an Reptilien. In der Tierwelt sind Verluste inbegriffen.

 

  • Auswirkungen von Krähen auf die Kleinvogelpopulation fallen nicht ins Gewicht. Übrigens kommen Krähen gut zurecht mit unserer Monokultur.

 

  • Probleme liegen vor allem in den Brutgebieten und nicht in den Wintergebieten. Natürlich hat die Jagd in den Wintergebieten einen grossen Einfluss.

 

  • Weniger dichte und weniger schnell wachsende Vegetation fördert zum Bsp. den Gartenrotschwanz.

 

Zum Schluss dankt Sergio Wellenzohn dem Referenten und stellt fest, dass das gute Nachrichten für unsere Region sind, ein Erfolg für den Einsatz der Winzer und der Vereinsmitglieder.

Anliegen: Empörung der Bevölkerung bringt die Politik zum Handeln. Darum sollten Initiativen zum Schutz unserer Umwelt und zur Föderung der Biodiversität unterstützt werden.

Danke an Martin Schuck für seinen unermüdlichen, engagierten Einsatz.