Die Plarenga, zwischen Domat/Ems und Felsberg/Chur, ist eine intensiv genutzte Ackerlandschaft. Sie wirkt, von weitem betrachtet, wie leergeräumt. Nur wenige Bäume und Sträucher sind am südlichen Rand zu finden.

Eine Besonderheit ist der Islandpferdehof, der wegen den Vierbeinern Stelzen und Stare anzieht. Die vorhandenen Zäune und Pfosten sind für die Vögel gute Jagdwarten.

Externe Störungen

Seit 2015 wird in der östlichen Plarenga massiv Material der Parghärarüfe abgelagert. Ca. 2000 Tonnen pro Tag werden mit 4 grossen Trucks über eine grosse Fläche verteilt! Das sind enorme landschaftliche Veränderungen, welche zur Zeit die Plarenga belasten.

Trotz diesen Störungen ist die Plarenga ein interessantes Beobachtungsgebiet geblieben. Feldlerchen , Schwarz - und Braunkehlchen, Hänflinge, Steinschmätzer, Schaf – und Bachstelzen, Girlitze, Kiebitze, div. Greifvögel, und selten mal auch eine Kurzzehenlerche und viele mehr, sind zur Zugzeit und dann vor allem bei Zugstau zu beobachten.

2011

In den letzten Jahren hat sich eine Vogelart (ein Bodenbrüter) als Brutvogel etabliert, die in der Schweiz sehr selten zur Brut schreitet. Neben den Schwarzkehlchen und den Feldlerchen konnte ich das erste Mal eine Schafstelze mit Futter im Schnabel feststellen (leider schlechte Belegaufnahme).

Die Belegaufnahme 2011 der Schafstelze mit Futter für die Jungen im Schnabel:

Später konnten wir (zusammen mit Gottardo Crameri und Käthi Reber) den Brutort am Rande eines Weizenfeldes ausfindig machen. Es handelte sich um die Nominatform „Motacilla flava flava“. Diese schöne Beobachtung kam durch die vielen Besuche in diesem Gebiet zustande. Ich war nun gespannt, ob sich in anderen Jahren ein weiteres Brutpaar dieser schönen Stelzen einfinden würde.

Schafstelze der Nominatform "Motacilla flava flava" auch Wiesenschafstelze genannt. Diese ist durch ihren Überaugenstreif und den grauen Kopf gut zu identifizieren:

In den folgenden Jahren 2012 und 2013 konnte ich keine Bruten nachweisen. Natürlich waren zur Zugzeit und bei Zugstau etliche Schafstelzen der Nominatform, sowie auch mal der Unterart „Thunbergi“ auf dem Durchzug. Ich beschränkte mich aber wegen anderen Aufgaben auf wenige Besuche.

Die Brut 2014

Der Schafstelzenzug war wie jedes Jahr sehr gut zu beobachten. Nur blieb wiederum die Frage zu beantworten, ob wohl ein Paar zur Brut schreiten würde?

Ende Mai konnte ich diese schöne südliche Unterart, die mich auf einem Pfosten sitzend beobachtete, aus etwa 25m Distanz durchs Fernrohr fotografieren . Wiederum war ich überzeugt, dass etwas im Gange war. Als erstes Indiz für eine bevorstehende Brut beobachtete ich das Balzverhalten und später, ob das Männchen mit Futter im Schnabel den Brutplatz aufsucht.

Schafstelze der Unterart „Cinereocapilla (ohne Ueberaugenstreif und mit weisser Kehle):

Vögel sind generell sehr vorsichtig und vermeiden es, durch ihr Verleitverhalten, ihren Brutplatz zu verraten. Bei der leisesten Vorahnung auf eine Gefahr, fliegen sie vom vermuteten Neststandort weg.

Zur selben Zeit beobachtete ich auch noch andere Arten. Immer wieder hörte ich aber das kurze „Ziip“ wenn mich eine Schafstelze überflog. Nach mehreren Besuchen in der Plarenga sah ich am 7. Juli ein Männchen mit Futter im Schnabel in einem Rüeblifeld und in der angrenzenden Pferdeweide suchte auch mal ein Weibchen nach Futter.

Altvogel mit Futter im Schnabel:

Am 9. Juli zeigte sich ein Jungvogel am Rande einer Buntbrache, der vom Altvogel ausserhalb des Nestes gefüttert wurde. Eine erfolgreiche Brut also!

2015

2015 war für mich ein eher intensives Kartierungsjahr für den neuen Brutvogelatlas der Vogelwarte, sowie ein Jahr mit etlichen Exkursionsleitungen und ornithologischen Reisen. Die Plarenga stand deshalb selten auf meinem Besuchsprogramm.

2016

Der Frühling war durch kühles, regnerisches Wetter geprägt. Oft herrschte starker Zugstau. Die Plarenga war mit diversen Zugvögeln und wegen der Kälte auch mit einem Vertikalzug stark „bevölkert“. Steinschmätzer, Hänflinge, Feldlerchen, Braun- und Schwarzkehlchen, Ringeltauben, Rohrweihen, Schwarzmilane, Bachstelzen, sogar Mittelmeer- und Heringsmöven rasteten in den noch brachen Feldern. Natürlich durchzogen die beinahe obligaten Schafstelzen ebenfalls die Plarenga.

Oft waren bis zu 30 Schafstelzen in den Feldern auf Futtersuche. Die Nominatform herrschte vor, jedoch war darunter wiederum eine Cinereocapilla .

Das Männchen der " Cinereocapilla" am 20.5.2016: Am selben Tag mit dem Weibchen am Aufsuchen des vermutlichen Brutplatzes:

So wartete ich nun über die kommenden Tage, ob ich einen Bruterfolg feststellen konnte.

Am 13. Juni zeigte sich ein Jungvogel an derselben Stelle, wo ca. 3 Wochen früher das adulte Paar zu sehen war. Es war am Übergang von einem Rüebli- zu einem Weizenfeld. Die digiscopierten Beleg-Fotos machte ich wie immer aus grosser Distanz:

Einige Tage später versuchte ich noch weitere Jungvögel zu entdecken. Wegen der gleichzeitigen Brut von Bachstelzen in diesem Gebiet, waren aber die Jungvögel sehr schwer von den jungen Bachstelzen zu unterscheiden. Ich vermutete insgesamt 3 Jungvögel gesehen zu haben, was aber sehr unsicher ist. Die letzte adulte Schafstelze sah ich dann am 23. Juni.

Erstaunlich war für mich der jahreszeitliche Unterschied der beobachteten flüggen Jungvögel im Jahr 2014 ( 9. Juli ) und 2016 ( 13. Juni ). Eventuell handelte es sich im Jahr 2014 um eine Zweitbrut.

Die Frage kommt immer auf, ob diese Bruten in diesem Gebiet nicht schon in früheren Jahren vorkamen. Wegen der bis heute gestiegenen Zahl von Beobachtern, darf man dies sicher annehmen.

Es wird sich zeigen, ob sich die Plarenga auch in Zukunft noch als Brutplatz für Schafstelzen eignet. Interessanterweise ist das Schwarzkehlchenbrutgebiet (Bruten in jedem Jahr) durch die Ablagerungen nicht stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Wir warten nun das Ende der Materialablagerungen ab, und werden sehen, was die Natur auszugleichen vermag.

Die immer stärker intensivierte Landwirtschaft ist das weit grössere Problem in diesem Gebiet!

Plarenga Quo Vadis?

17. Juli 2016 Heinz Borgmann