Nach ca. 2 Stunden zügiger Fahrt erreichten wir gegen 9:30 Uhr den Ausgangspunkt unserer Vormittagsexkursion, sie führte in den Auenwald von Reviscài, der sich südlich von Tenero vom linken Ufer der Verzasca nach Osten erstreckt. In vier Gruppen (geleitet von Bruno Hanselmann, Ernst Hürlimann, Stefi Linder und Manuel Scussel) zogen wir voller Erwartungen los. Begleitet wurde der Ausflug von einem Vogelstimmenkonzert - unter anderen war auch immer wieder der Pirol zu hören, den wir natürlich sehr gerne gesehen hätten - aber das sehr dichte Laub der Bäume und Sträucher entzog ihn unseren Blicken, wie auch manch andere Art, die sich nur akustisch feststellen liess. Der Weg war stellenweise auenwaldmässig sumpfig, sodass schon vor dem Hide bei der Verzascamündung Endstation war. Von da konnte ein Rotfussfalke (m.) ausgiebig, wenn auch aus grosser Ferne beobachtet werden. Aus nächster Nähe konnte man dafür eine Spechtschmiede mit Baumnüssen betrachten und fotografieren. Wenn auch die Anzahl der tatsächlich gesichteten Arten für manche von uns hinter den Erwartungen zurück bleiben mochte, so gaben uns doch die Schönheit des Auenwaldes und das prächtige Wetter das Gefühl, es habe sich gelohnt, hierherzukommen.

Mit dem Car fuhren wir um 11:30 weiter an den Hafen von Magadino, von wo aus wir nach dem Mittagspicknick, das vom Gesang eines Drosselrohrsängers akustisch untermalt wurde, zur Nachmittagsexkursion aufbrachen. Über einen Damm, der einen schönen Ausblick auf die Moorseen zu beiden Seiten bot, und vorbei an offenem Feld gelangten wir in die Bolette Lischedo und an das linksseitige Ufer des Ticino, dann ging es diesem entlang durch den Auenwald flussabwärts bis zum Ende des Weges, kurz vor der Mündung in den Lago Maggiore. Auch bei diesem Ausflug war die ornithologische Ausbeute eher bescheiden - erwähnenswert die Neuntöter (m. und w.) und ein Gartenrotschwanz - aber auch hier konnte man sich am strahlenden Wetter und den landschaftlichen Schönheiten erfreuen. Und dann gab es ja auch anderes, nicht Alltägliches, zu sehen - vorausgesetzt, man war zur richtigen Zeit am richtigen Ort: so bekamen einige TeilnehmerInnen eine Würfelnatter oder Mauereidechse zu Gesicht, und eine andere Gruppe konnte am Ende des Weges einen Hirsch, einen Acht-Ender, beobachten, der vom anderen Ufer her in zügigem Tempo den Ticino durchschwamm.

Traditionsgemäss wurde der nachmittägliche Ausflug mit einem Zvieri im Restaurant abgerundet: Auf der Terasse des Ristorante Favini im Hafen von Magadino gab es Kaffee und Tiramisú.

Um 16:30 Uhr traten wir die Heimfahrt an, bereits vorgewarnt durch die Verkehrsmeldung, dass die Stau-Situation auf der Autobahn am Ende dieses Auffahrt-Wochenendes durch durch einen Unfall noch verstärkt worden war. Und tatsächlich brauchten wir für die Rückfahrt 4 Stunden. Obwohl das vor allem für diejenigen, die nach der Ankunft in Chur noch einen weiteren Heimweg zurückzulegen hatten, nicht erfreulich war, war von schlechter Laune nichts zu spüren. Und so manche(r) wird sich gesagt haben, dass dieses wunderschöne Gebiet unbedingt wieder einen Besuch wert ist - aber eher nicht an einem Feiertag mit extra viel Rückreiseverkehr ...

Die Artenliste, von Manuel Scussel zusammengestellt, nennt insgesamt 64 Arten, die gesehen bzw. gehört worden waren: Amsel, Bachstelze, Baumfalke, Blässhuhn, Blaumeise, Buchfink, Buntspecht, Distelfink, Drosselrohrsänger, Eichelhäher, Eisvogel, Elster, Feldsperling, Felsenschwalbe, Fitis, Gänsesäger, Gartenbaumläufer, Gartengrasmücke, Gartenrotschwanz, Gebirgsstelze, Girlitz, Graureiher, Grauschnäpper, Grünfink, Grünspecht, Haubentaucher, Haussperling, Höckerschwan, Italiensperling, Kleiber, Kohlmeise, Kormoran, Kuckuck, Mauersegler, Mehlschwalbe, Mäusebussard, Mönchsgrasmücke, Nachtigall, Neuntöter, Pirol, Nebelkrähe, Rauchschwalbe, Reiherente, Ringeltaube, Rohrammer, Rotfussfalke, Rotkehlchen, Schwanzmeise, Schwarzmilan, Silberreiher, Singdrossel, Star, Stockente, Strassentaube, Tannenmeise, Teichrohrsänger, Turmfalke, Türkentaube, Turteltaube, Wanderfalke, Wendehals, Zaunkönig, Zilpzalp, Mittelmeermöwe.

Dabei ist klar, dass nicht alle alles mitbekommen haben - es braucht eben auch das Glück, zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein. Aber gerade als Hobby-Ornithologe ist man auch gut beraten, wenn man sich an dem freuen kann, was man bekommen hat. (H.Hubbuch)